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Jules Aufsatz
Um Jules Aufsatz komplett verstehen zu können, muss ich einige Erklärungen vorausschicken. Zum Jahresende 2004 überlegten wir für eine Woche in die Sonne zu fliegen. Aber wir hatten ja nun Jule. Wohin mit unserem Hund? Meine Eltern boten sich an. Aber beide sind schon ein wenig älter und Besitzer eines 10jährigen Schnauzers, der nicht mehr, solange Gänge braucht, wie unser Wäller-Mädchen. Ich hatte ein bisschen Angst, meine Eltern zu überfordern. Außerdem wohnen meine Eltern nicht gerade um die Ecke, 250 km jeweils - hin und zurück. Zwei gute Gründe um zu zweifeln. Auf einem Spaziergang mit einer Freundin samt Hunden erzählte ich von meinen Bedenken und ganz selbstverständlich bot sie mir an, Jule für diese Woche in ihrem Rudel (sprich Familie) aufzunehmen. Von mir aus hätte ich nie gewagt zu fragen - über die Feiertage... ich weiß was das heißt, Verwandtenbesuche, Kocherei - einfach kein Alltag. Und trotzdem nahm ich das tolle Angebot an. Ich wusste, Jule kommt in eine liebe Familie (Vater, Mutter, Kind und Hund) und wird sich bestimmt sehr schnell wie zu Hause fühlen. Also trainierten wir ein bisschen. Erst stundenweise im neuen Domizil, dann über Nacht. Es klappte wunderbar. Erst fiepte Jule mir ein wenig hinterher, dann beschloss sie aber ihre Aufgaben wahrzunehmen und benahm sich fast wie zu Hause. Jule und die Hündin der Gastfamilie (ein Labi-Mix) verstehen sich wunderbar und sind grundverschieden. Minerva, so de Name der Hündin, ist lieb, ruhig und eher schüchtern und wenn sie sich abends gegen 22 Uhr zur Ruhe begibt, bleibt sie an diesem Ort bis morgens zum Aufstehen. Meiner Jule ist das wahrscheinlich völlig unverständlich, sie wandert nachts nämlich. Das macht sie zu Hause und das hat sie auch in der Gastfamilie getan. Ich vergaß, diese Kleinigkeit zu erwähnen. Meine Freundin war beunruhigt, da sie annahm, daß Jule sich nicht wohl fühlte und nicht zur Ruhe käme. So lauschte sie auf die Geräusche, die Jule so machte, und als alles still war, stand sie auf um nachzusehen, wo Jule sich niedergelassen hätte. Originalton: ...und wie ich da so durch die dunkle Wohnung schleiche, steht das Zotteltier aufeinmal neben mir... Jule hat bestimmt gedacht: toll, das Ersatzfrauchen wandert nachts ja auch durch die Gegend. Wir haben sehr gelacht. So kam de Urlaub immer näher und schließlich war der Tag des Abschieds für eine Woche gekommen. Mit Sack und Pack und sehr gemischten Gefühlen brachte ich Jule zur Gastfamile. Jule hat mir den Abschied leicht gemacht. Sofort fing sie an mit Minerva zu spielen und Frauchen war nicht mehr so wichtig. Ich stahl mich zur Tür hinaus. Diese Woche hat nun Josina (13 Jahre), die Tochter der Familie, so toll dokumentiert, daß ich fand, das muss unbedingt auf die Wäller-Seite ins Internet. Ich habe an dem Aufsatz nichts verändert und hier ist er nun:
Jules Aufsatz oder wie ich Weihnachten einmal Urlaub machte 1. und 2. Tag Ich bin ja wirklich schon ein großer, selbstbewusster Hund. Deswegen kann ich auch schon mal eine Woche ohne Herrchen und Frauchen Urlaub machen. Das Gastrudel ist wirklich in Ordnung. Mein Ersatzfrauchen ist schon ein bisschen durchgeknallt, sie glaubte, daß Minerva und ich in der Heiligen Nacht in dieser komischen kehligen Menschensprache sprechen würden. Außerdem sollte ich kleingeschnittenen rohen Rotkohl essen, aber ich habe mir nur die Fischstückchen herausgesucht und das was ich nicht mochte, durfte ich auch im Napf lassen. Die Weihnachtsgans haben Minerva und ich auch verschmäht. Sonst war Heiligabend aber ganz OK, wir haben Stinkefisch selber ausgepackt - lecker. Dann haben wir noch Spielzeug bekommen und Minerva, das Welpenkind und ich haben damit viel Spaß gehabt. Später hatte das ranghöchste weibliche Rudeltier noch einen Rotweinschwips. Minerva schlief die ganze Nacht in der Welpenhöhle, ich behielt lieber meine Gewohnheiten bei und wechselte ständig meine Schlafplätze. Schließlich stamme ich vom edlen Geblüt der großen Herdenschutzhunde ab und daher habe ich eine Ahnenverpflichtung. Ich umkreise die Herde und zähle des nachts meine Schafe. Ich stupse auch gerne mal den einen oder anderen an, das führt manchmal zu Irritationen, aber so überprüfe ich, ob noch alle bei bester Gesundheit sind. Die Höhle des Gastrudels ist ein wenig merkwürdig gelegen, sie liegt auf einer Anhöhe und ist nur durch Treppen zu erreichen, manche davon sind sogar durchlöchert, wohl aus Sicherheitsgründen.
3. Tag Minerva hat mich schon recht gut eingearbeitet. Ich finde, ich mache hier einen richtig guten Job. Ich versuche lauter zu bellen als Minerva und bemühe mich noch vor ihr an der Tür zu sein, wenn Besuch kommt. Ich dulde auch niemanden auf der Bröderhausener Straße oder in den Nachbargärten, aber das ranghöchste weibliche Rudelmitglied sagte:" ... wir lassen die in Ruhe und die lassen uns in Ruhe." Ich aber sah das anders. Nach einer alten Tante, die zu besuch kam, habe ich geschnappt. Dies fand mein Ersatzrudel nicht OK. Nach Minerva habe ich aus Eifersucht auch geschnappt, aber wir beide haben uns immer super zusammen gerauft. Mein Reservefrauchen musste heute heute für mehrere Stunden die Höhle verlassen, da war ich sehr traurig und wir haben sie im Moor gesucht. Dort habe ich einen Kranich gejagt, Pardon, es war ein Fischreiher. Damit war das ranghöchste männliche Rudelmitglied völlig überfordert. Gott-sei-Dank fanden wir unsere Leithündin auf ihrer Arbeitsstelle. Das Welpenkind übt mit mir und Minerva Kunststücke ein. So werde ich ein wenig von meinem Kummer abgelenkt. Das Futter ist fantastisch. Das Reservefrauchen geht manchmal Hühnerkeulen jagen und Leckerchen sammeln. Auch versteht sie sich auf die Technik des Vorratanlegens. 4. Tag Heute Morgen zog der graue Leitwolf sehr zeitig sein Schlaffell aus. Er hatte viele ruhige Tage mit futtern und schlafen in der Höhle verbracht. Nun war es wieder an der Zeit Tauschmittel für unser Futter heranzuschaffen. Das war meine Gelegenheit. Ich sprang neben mein Ersatzfrauchen auf die angesehenste Schlafstelle in der Höhle. Während wir so da lagen, dicht aneinander gekuschelt fühlte ich mich fast ein wenig getröstet. Manchmal klingelt es an der Tür, dann versuchen Fremde sich in unserem Rudel breit zu machen. Das kann ich nicht dulden. Schließlich stehen hier alle unter meinem persönlichen Schutz und Minerva scheint mir ein bisschen nachlässig, was diese Aufgabe anbelangt. Ich finde es auch nicht in Ordnung, daß mir unbekannte Personen das Rudel betatschen und von unseren Futtervorräten zehren. Am Ende dieses Tages wussten hier alle, daß ich keine gekochte rote Beete und keine Möhren am Stück mag.
5. Tag Der Tag fing für mich gut an. Das Welpenkind hatte eine Hand voll Leckerchen, die eigentlich für Minerva und mich zur Belohnung gedacht waren, auf dem Wohnzimmertisch vergessen. So stand ich mit der Schnauze und den Vorderpfoten in der Weihnachtsdeko auf dem Wohnzimmertisch und wurde regelrecht erwischt. Die übrig gebliebenen Leckerchen wurden beschlagnahmt. Später bekam ich dann doch noch einige davon. Wir waren wieder mit einem befreundeten Rudel auf unseren Streifzügen durch die Wälder unterwegs. Wenn ich dann brav auf Zuruf damit aufhörte, das Wild zusammenzutreiben, bekam ich eins. Mittags fing es an zu schneien, das war toll. Das Welpenkind hat mit uns im Schnee getollt. Ich habe mich gewälzt und versucht die Schneeflocken zu fangen. Hier sagen alle, ich wäre ein Energiebündel, denn im Gegensatz zu mir schläft Minerva abends vor Erschöpfung auf dem Sofa ein. Morgen kommt ein Rudel zu Besuch, die gerne einen jungen Wäller bei sich aufnehmen möchten. Daher wollen sie mich hier heute noch bürsten, sogar die Füße und den Damenbart. Ich befürchte der Rudelchef schneidet in einem unbeobachteten Moment auch noch meinen Pony. Mal sehen!!! 6. Tag Heute waren wir am Ende der Welt. Dort leben in einem alten Bauernhaus ein Hund mit seinem Mensch, ein paar Katzen und jede Menge Pferden. Da sind wir im Schnee gewandert und ich habe voll die Dominante raushängen lassen. Der Hund, ein kleiner Rüde, kommt ursprünglich aus Griechenland und ist ein kleiner Charmeur. Später habe ich mich dann doch von ihm um die Pfote wickeln lassen, dann sind wir zusammen um die Wette gelaufen. Minerva habe ich vorsichtshalber nicht erlaubt, daß sie mitläuft. Als ich vorwitzig in eine Pferdekoppel gesprungen bin, hat die ganze Pferdeherde mich gejagt. Das wurde selbst mir, wo ich doch sonst immer alles unter Kontrolle habe, zu viel. Zu dem Rudel, zu dem ich am Vortag extra herausgeputzt worden war, war ich auch nicht nett. Erst nach einer Stunde ließ ich mich ein wenig kraulen. Am schönsten finde ich es, wenn wir spazieren gehen und ansonsten unter uns bleiben. So, nun habt ihr einen kleinen Einblick, wie es mir ergangen ist. Alle haben mich ins Herz geschlossen, ich habe auch alle ins Herz geschlossen, doch ich freue mich auch wahnsinnig auf zu Hause. Eure Jule
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